An Deutschlands edle Frauen ist ein patriotisches Gedicht der deutschen Dichterin Arnoldine Wolf ( 1769; 1820) vom 4. Januar 1815 zu Ehren der deutschen Frauen, die während der Befreiungskriege (Sechster Koalitionskrieg) große Opfer für die Deutsche Erhebung um Freiheit und Selbstbestimmung des Vaterlandes gebracht haben.

 

Auf zum Bunde, edle deutsche Frauen!

Auf zum Bunde für die Ewigkeit!

Frommer Sinn und hohes Gottvertrauen

Führt’ uns durch die bange Schreckenszeit;

Was uns werther war, als selbst das Leben,

Haben wir zum heil’gen Kampf gegeben.

Manches Auge senkt den Blick hinab

Auf des Theuern fernes Heldengrab.


Schmuck und Gold und seltne Kostbarkeiten

Brachten wir dem Vaterlande dar;

Kranken Kriegern Lind’rung zu bereiten,

Scheuten wir nicht Mühe, noch Gefahr;

Unsre Herzen, die für Recht erglühten,

Unsre Thaten, die im Stillen blühten,

Sind gewiß dem deutschen Manne werth,

Der für Freyheit focht und Vaterheerd.

 

Große Opfer sind nicht mehr zu bringen,

Heil’ger Friede wallt auf deutscher Flur,

Aber Kronen sind noch zu erringen,

Folgen wir dem Wink des Herzens nur:

Heilig sey uns alte deutsche Sitte,

Häuslichkeit belebe unsre Mitte,

Und des Fremdlings Uebermuth und Pracht

Sey verbannt, wie fremde Kleidertracht!

 

Unsre Kinder sicher zu geleiten

Auf des Lebens trügerischem Pfad,

Daß sie nie vom rechten Wege gleiten,

Schütze sie der Mutter weiser Rath;

Männer laßt der Nachwelt uns erziehen,

Die für Vaterland und Recht erglühen,

Edle Töchter sonder Ziereren,

Ihrem Stande und Berufe treu.

 

Und vor Allem laßt uns still erkunden,

Wo des Krieges Geißel Wunden schlug:

Mancher Tapfre hat sein Grab gefunden,

Der der Menschheit Wohl im Herzen trug;

Manche Wittwe weint um ihren Gatten,

Mancher Jüngling ging zum Reich der Schatten,

Blutend an der Freyheit Hochaltar,

Der der Aeltern Trost und Freude war.

 

Manche Hütte ward ein Raub der Flammen,

Manche Flur zertrat des Kriegers Fuß;

Heil’ge Mauern stürzten selbst zusammen,

Durch der Feuerschlünde Donnergruß;

Ganze Schaaren armer Kinder irren

Wild umher, und grasse Eulen schwirren

Auf der Stätte ihren Grabgesang,

Wo der Freude Hymne einst erklang.

 

Laßt uns handeln, laßt uns Elend mildern,

Je nachdem uns Gott das Pfund verliehn,

Aehnlich dann der Vorzeit hehren Bildern,

Die in Klarheit uns vorüber ziehn;

Möchte einst aus der Verwüstung Trümmern

Eine Glorie hinüber schimmern,

Daß die Nachwelt unsern Werth erkennt,

Und noch dankbar unsre Namen nennt.


=== Literatur ===

Fanny Arndt: Die deutschen Frauen in den Befreiungskriegen, 1867
Tim Klein: Die Befreiung 1813 – 1814 – 1815, W. Langewiesche-Brandt, 1913


Johanna Stegen (1793-1842), das Heldenmädchen von Lüneburg, versorgte in den Befreiungskriegen deutsche Truppen mit Munition aus französischen Beständen.

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